Fallstudie
Drei Jahrmarktautomaten, zwei Tage Zeit, kein Datenblatt.
Für die BTC23 in Innsbruck sollten drei Jahrmarktautomaten ein Bezahlmodul vorführen. Die Automaten waren älter als die Firma, die sie gebaut hatte. Diese Seite beschreibt, wie sie trotzdem funktioniert haben.

Die Aufgabe
Ein Bezahlmodul lässt sich auf zwei Arten vorführen. Man stellt einen Bildschirm auf und erklärt, wie es funktioniert. Oder man baut es in etwas ein, das die Leute ohnehin ausprobieren wollen.
Die Wahl fiel auf das Zweite. Drei Jahrmarktautomaten — ein Kraftmesser, ein Elektrisierautomat, ein Liebesbarometer. Geräte, vor denen man stehen bleibt, weil sie laut sind und weil man sehen will, was der Zeiger macht.
Der Auftrag war damit nicht mehr, ein Modul zu zeigen. Er war, drei Maschinen, die Münzen erwarten, dazu zu bringen, etwas anderes zu akzeptieren — ohne dass man ihnen etwas anmerkt.
Das Problem: niemand wusste, wie sie funktionieren
Vorab gab es Fotos: die geöffneten Automaten, die Münzprüfer darin. Mehr nicht.
Die Geräte waren so alt, dass es den Hersteller nicht mehr gab. Keine Datenblätter, keine Schaltpläne, niemand, den man hätte fragen können. Was der Münzprüfer beim Erkennen einer Münze tatsächlich tut, ließ sich nirgends nachlesen.
Also haben wir es angenommen: Vermutlich schließt er einfach einen Kontakt. Das war eine Vermutung, keine Erkenntnis — aber sie war die wahrscheinlichste, und sie ließ sich prüfen, sobald die Automaten dastanden.
Der Einbau begann zwei Tage vor der Konferenz.

Zwei Probleme, die erst vor Ort auftraten
Getrennte Stromkreise
Die Vermutung stimmte: Der Münzprüfer schließt einen Kontakt. Nur lag seine Elektronik auf einem anderen Stromkreis als der Mikrocontroller, der ihn auslösen sollte. Direkt verbinden ließ sich das nicht.
Gelöst mit einem Relais. Ein Relais schaltet, ohne die beiden Seiten elektrisch zu verbinden — genau das, was hier gebraucht wurde. Welcher Kontakt der richtige war, ergab sich durch Messen und Ausprobieren.
Ein Automat, der die Elektronik ausschaltete
Einer der drei Automaten baut beim Einschalten ein so starkes elektromagnetisches Feld auf, dass der Mikrocontroller daneben jedes Mal neu startete. Nicht gelegentlich — jedes Mal.
Die Lösung war unspektakulär: Die Elektronik kam in eine Metall-Geldkassette. Ein faradayscher Käfig muss nicht so heißen, um zu funktionieren. Für die Verkabelung nach draußen kamen CAT5-Kabel zum Einsatz, deren verdrillte Adernpaare Störungen weitgehend wegheben.
Danach lief er.
Wie es funktioniert
- Am Automaten steht ein Display mit einem QR-Code.
- Wer zahlen will, scannt ihn mit dem eigenen Telefon. Die Zahlung läuft über LNbits.
- Im Automaten sitzt ein ESP32 mit GSM-Modul und hält eine stehende WebSocket-Verbindung — über das Mobilfunknetz, nicht über WLAN.
- Sobald die Zahlung eingelangt ist, weiß der Mikrocontroller davon und schaltet das Relais.
- Das Relais schließt denselben Kontakt, den sonst der Münzprüfer schließt.
- Ab hier passiert nichts Neues mehr. Die Mechanik des Automaten läuft wie seit Jahrzehnten — sie hält es für eine Münze.
Am Automaten selbst wurde nichts verändert. Er glaubt bis heute, dass jemand eine Münze eingeworfen hat.
Jeder Automat bringt seine eigene Verbindung mit. Auf einem Konferenzgelände teilen sich tausend Geräte ein WLAN, und der Betrieb ist genau dann am größten, wenn auch am Automaten am meisten los ist. Über Mobilfunk hängt das Gerät an keiner fremden Technik.
Im Betrieb
Ergebnis
Rund 200 Mal hat an zwei Tagen jemand bezahlt, um an einem der Automaten zu ziehen, zu drücken oder zu greifen.
Der Automat war nicht der Grund für die Zahlung. Die Zahlung war der Preis für den Automaten. Und genau deshalb hat sie stattgefunden.
Übertragbar ist nicht die Zahlung, sondern die Bauform. An einer Konferenz war es eine Zahlung. An einem Stadtfest wäre es ein Knopf.
Was übertragbar ist
Was hier gebaut wurde, war kein Bezahlsystem. Es war eine Brücke zwischen etwas Neuem und etwas, das längst dasteht und funktioniert.
Diese Brücke sieht jedes Mal anders aus — ein Relais, ein Sensor, ein Knopf, eine Karte, die man auflegt. Was gleich bleibt: Das alte Gerät muss nicht verstehen, was passiert ist. Es muss nur seinen Teil tun.